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Wednesday, September 20, 2017

Karl Bartos: Der Klang der Maschine




(Scroll down for English version!)

In Wirklichkeit heißt der Mann also Karlheinz. Zu Herrn Karl wurde er erst, als es darum ging, seinen Namen für die Kraftwerk-Bühne in Neonrohr zu biegen: Da ist Karl eben nur halb so teuer wie Karlheinz.

Wenn das alles wäre, was man aus der soeben vorgelegten Autobiografie des Musikers Karl Bartos erfahren würde, wären 600 Seiten ein bisschen viel. Aber man erfährt doch eine ganze Menge mehr. Um falschen Erwartungen vorzubeugen, sollte man sich zunächst klarmachen, dass dies die Autobiografie Karl Bartos' ist, nicht die Story von Kraftwerk -- die nimmt zwar den größeren Teil des Buches ein, und sie klebt, wie er selbst sagt, wie ein Schatten an ihm, aber sie ist nicht sein ganzes Leben.

Karl Bartos, geboren in Berchtesgaden, aufgewachsen in Düsseldorf, heute in Hamburg lebend, ist ausgebildeter klassischer Perkussionist, der in Schlager- und Tanzbands ebenso gespielt hat wie im Opernorchester. Zur Abschlussprüfung spielte er Gary Burtons nur scheinbar unauffällige Solokomposition "The Sunset Bell" -- aber wer das Werk mal konzentriert gehört hat, wird ungefähr einordnen können, auf welchem spielerischen Niveau er sich da bewegt. Kraftwerk war denn zunächst auch nicht mehr als ein Job unter diversen, bis ihn die Kraftwerker ultimativ aufforderten, exklusiv für sie zur Verfügung zu stehen (man könne schließlich nicht gleichzeitig für Mercedes und BMW arbeiten). Dass sie ihn damit zu einem Unternehmer machten, der nur einen einzigen Kunden haben durfte, fiel ihm wohl selbst erst später auf -- dann allerdings umso unangenehmer, denn klare Absprachen oder Verträge gab es nie. Jahrelange Rechtsstreitigkeiten folgten auf dem Fuße.

Aber das ist ein Vorgriff. Bartos schildert zunächst mal seine Jahre mit Kraftwerk, die die Alben von Radioaktivität bis Electric Cafe umfasst. Man lernt Titel für Titel die Arbeitsweise der Gruppe kennen, die "Writing Sessions", und seinen eigenen steigenden Anteil daran. Er war weit mehr als nur "der Drummer". Wer Bartos' spätere Soloplatten kennt, kann seine Handschrift auch bei Kraftwerk ohne große Schwierigkeiten heraushören. Als Co-Autor genannt zu werden ist ihm schließlich gelungen; später sogar -- was ich nicht wusste -- haben ihn Ralf und Florian auch an den Plattenverkäufen beteiligt.

Man erfährt, dass das Radio-Aktivität-Album auf einer geliehenen Achtspurmaschine aufgenommen wurde und Trans Europa Express in den angesagtesten Studios der USA gemischt, die Mischung dann aber doch verworfen wurde, weil sie zu amerikanisch klang. Zu den interessantesten Teilen des Buches gehört das jahrelange Drama um das Electric Cafe-Album. Das begann schon damit, dass die EMI die Platte unabgesprochen angekündigt hatte und daraufhin überstürzt die "Tour de France"-Single veröffentlicht wurde. Dass das Album dann jahrelang nicht fertig wurde, lag daran, dass die Gruppe ihr Equipment auf digitale Technologie umstellte, was einen Umbau nicht nur des Studios bedingte, sondern -- und das war der eigentliche Knackpunkt -- die bis dahin praktizierte Arbeits- und Kompositionsweise unmöglich machte. Diese nämlich beruhte auf unmittelbarer Kommunikation im Studio. Durch die Digitaltechnik war plötzlich jeder der Musiker auf sich selbst bezogen, und die Band fand keinen Weg, damit umzugehen. Es stellte sich heraus, dass Musik nicht zwangsläufig dadurch besser wird, dass man einfach das jeweils modernste Equipment verwendet. Es gibt wichtigere Faktoren, zu denen sie aber den Rückweg nicht mehr fanden.

Karl Bartos verließ die Band während der Arbeit am Mix-Album, weil er schlicht nichts mehr zu tun hatte. Bezeichnend ist das Unverständnis, das ihm dafür von Hütter und Schneider entgegenschlug. Und es spricht für ihn, dass er das Buch nie dazu nutzt, irgendwelche Schmutzwäsche zu waschen, obwohl der Frust nicht selten zwischen den Zeilen steht. Und auch viele Fans nahmen ihm seinen Weggang übel. Das zum Teil wirklich widerliche Bartos-Bashing jedenfalls, das in einigen Kraftwerk-Foren im Internet bis heute losbricht, wenn nur sein Name erwähnt wird, spricht Bände. Aber das ist nur ein Teil der Fans; die meisten wissen seinen Anteil an der Gruppe sehr wohl einzuordnen.

Nach seinem Weggang machte Bartos zunächst die unangenehme Erfahrung, dass etliche Türen, die ihm als Mitglied von Kraftwerk stets geöffnet worden waren, jetzt verschlossen blieben. Es ist interessant zu lesen, wie er sich dann doch irgendwie mit der Situation arrangierte, bis heute. Mehr erfahren hätte ich gern über seine Gastprofessur an der UdK in Berlin, aber da bleibt es bei wenigen Seiten.

Bartos ist kein professioneller Autor, dennoch liest sich das Buch gut und flüssig. Gelegentlich hätte man ihm ein besseres Lektorat gewünscht (falsch geschriebene Namen, gelegentliches überflüssiges Namedropping und die eine oder andere Stilblüte wären so vermeidbar gewesen), aber das ist Kleinkram. Gelegentlich verbleibt die Autobiografie mir ein bisschen zu sehr im rein Beschreibenden, ein bisschen mehr analytische Tiefe hätte an manchen Stellen nicht geschadet. Während die 1999 erschienene Autobiografie von Wolfgang Flür mir über weite Strecken eher "wishful thinking" gewesen zu sein schien, liest man Bartos' Buch aber auf jeden Fall mit Gewinn.

Karl Bartos:
Der Klang der Maschine.

Köln 2017
ISBN 978-3-8479-0617-9


Diese Besprechung erschien zuerst in manafonistas.de



So now we know that in reality this guy's name is Karlheinz. It changed into Karl not before his name was bended into a neon pipe for the Kraftwerk stage. Which is quite understandable: Karl is only half as expensive as Karlheinz.

If that would be all we could learn from the autobiography musician Karl Bartos just presented, 600 pages would be a bit too much. But we can learn several more things. And to avoid wrong expectations, you should see that this is the autobiography of Karl Bartos, not the story of Kraftwerk -- which, of course, takes the major part of the book and, to use his own words, sticks with him like a shadow. But it isn't his whole life.

Karl Bartos, born in Berchtesgaden, Bavaria, grown up in Düsseldorf, now living in Hamburg, is a skilled classical percussionist who played with schlager- and dance bands as well as in an opera orchestra. For his graduation at conservatory, he played Gary Burton's seemingly inconspicious solo composition "The Sunset Bell" -- but when you listen to it carefully, you will surely realize the high level of his vibraphone techniques. Consequently, Kraftwerk was not more than one job among several, until the Kraftwerkers asked him ultimately to be available exclusively for them (nobody could work for Mercedes and BMW, was their argument). They made him an entrepreneur this way who was allowed to have only one customer. But this probably occurred to him much later -- but then even more displeasing because there were no contracts and no clear agreements. Long lasting lawsuits followed immediately then.

But first, Bartos describes his years with Kraftwerk, which include the years from Radio Activity to Electric Cafe. Track by track we learn about they way the band worked, the "writing sessions" and his increasing part in them. He was far more than "just the drummer". Everybody who knows his later solo records is easily able to recognize Bartos' fingerprints in the music of Kraftwerk. Finally he was able to be mentioned as co-composer; later -- which was new to me -- Ralf and Florian ceded a share on the record sales to him.

We learn that the Radio Activity album was recorded on a borrowed 8-track tape recorder and Trans Europe Express was mixed at the hippest studios in the U.S., but the mix was dropped because it sounded too american. One of the most interesting chapters in the book is the long lasting drama of the Electric Cafe album. This started already with the mistake that EMI announced this record without asking Kraftwerk in advance, so the "Tour de France" 45 got a rushed release. The reason that the album got not finished was mainly their decision to change the studio equipment to digital devices. For this reason the whole studio had to be rebuilt, and -- this was the main problem -- the way Kraftwerk used to work and compose didn't work no longer. It was based on direct communication in the studio, but the digital technology set every musician back to only himself, and the band was not able to find a way out of this dilemma. They had to learn that it's not only the latest equipment that makes the music bloom, there are more important criteria, but they didn't find the way back to them. 

Karl Bartos left the band during their work on the Mix album, simply because there was nothing for him to do anymore. Hütter's and Schneider's inability to understand this decision is significant. But it speaks in his favor that he never uses his book to wash his dirty laundry in public, although the frustration sometimes is visible "between the lines". Also a lot of fans held his leaving against him. The sometimes really obnoxious "Bartos bashing" that still today breaks out in some online Kraftwerk forums on the web when only his name is mentioned speaks volumes. But that's only a part of fans. Most of them are well able to rate Karl's part in the group.

After his leaving, Bartos made the unpleasant experience that several doors that were always open for him as member of Kraftwerk now remained shut. It's interesting to read how he was able to come into terms with his new situation, up to the present day. I would have liked to know more about his visiting professorship at the University of Arts (UdK) in Berlin, but he offers not more than a couple of pages about this.

Bartos is not a professional writer, but anyways, the book is well written. Sometimes I would have wished him a better editing (some misspelled names, some useless namedropping, some bloopers could have been avoided this way), but that's not a big thing. Sometimes the autobiography remaines a bit to much in the pure description, a bit more analysis would have been nice. But while Wolfgang Flür's autobiography from 1999 seemed to be more "wishful thinking" that fact, Bartos' book is really worth the read.

Currently the book is available only in German language. Surely an English version will follow soon.


Karl Bartos:
Der Klang der Maschine.

Cologne 2017
ISBN 978-3-8479-0617-9


Sunday, September 10, 2017

Wednesday, September 6, 2017

Holger Czukay 1938-2017



Dear Prof. Holger,
bye bye -- see you later!

Sunday, August 27, 2017

Vagabundenkarawane




Gestern durch Zufall bei Youtube gefunden: Werner Penzels Dokumentarfilm Vagabundenkarawane von 1979  über die achtmonatige Reise der Gruppe EMBRYO mit drei ziemlich schrottreifen Bussen durch Griechenland, Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan und Indien -- der Hippie-Trail im O-Ton sozusagen.

Lange Fahrten auf öden Straßen. Regenzeit. Brennende Sonne. Montezumas Rache. Und eine natürliche Geburt irgendwo am Ende der Straße in Afghanistan, aber auf eine Ärztin möchte man doch lieber nicht verzichten. Dazwischen Auftritte der Band, teils spontan und mit örtlichen Musikern, etwa dem Karnataka College of Percussion, aber auch mit z.B. einem lokalen Zauberer, der zum ersten Mal in seinem Leben auf einer elektrischen Orgel spielt. Andere, offizielle, Auftritte waren in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Goethe-Instituten organisiert.

Ich meine den Film 1979 oder 1980 in seiner Originalfassung im ZDF gesehen zu haben. Es gab ihn zeitweilig auch auf DVD, die aber sehr schnell zu Fantasiepreisen gehandelt wurde. Ich habe den Film deshalb seit damals nicht mehr wiedergesehen -- und nun, zu meiner Überraschung, steht er plötzlich auf Youtube (jetzt mit zeitgemäßem Deppenleerzeichen: "Vagabunden Karawane"), anscheinend sogar auf einem "offiziellen" Kanal, so dass man hoffen darf, dass er dort eine Weile bleiben wird. Der Film ist digital restauriert, dem Ton ist das gut bekommen, dem Bild nicht immer. Hauptproblem allerdings ist die Kürzung: Von den ursprünglich 115 Minuten sind jetzt nur noch 88 übrig. Man hat, wenn mich meine Erinnerung an die ZDF-Ausstrahlung nicht trügt, etliche Reisebilder weggelassen und weitgehend auf die erklärenden Kommentare verzichtet. Die fehlen dem Film jetzt. Man wollte sich offenkundig auf die Musik konzentrieren. Die allerdings, wenn wir mal ehrlich sind, ist nicht immer so mitreißend, dass sie den ganzen Film allein tragen kann. Ab etwa der sechzigsten Minute beginnt sich die Angelegenheit ein wenig zu ziehen.

Aber sehenswert ist die Vagabundenkarawane nach wie vor. Und die Musik dazu gibt es noch immer auf Doppel-LP oder einer leicht gekürzten CD -- einer meiner Langzeitbegleiter auf dem MP3-Player:




(dieser Eintrag wurde zuerst veröffentlicht auf manafonistas.de)

Sunday, July 16, 2017

Kraftwerk: 3-D Catalogue




Acht CDs liegen da vor einem, jede davon verpackt in einem grafisch exzellent gestalteten aufklappbaren Pappcover, und dazu noch ein 16-seitiges Gesamtbooklet.

Ob man so ein Paket braucht, kann nur jeder für sich entscheiden. Was man bekommt: sozusagen The Mix 2, diesmal aber das gesamte Repertoire von Kraftwerk von Autobahn bis Tour de France Soundtracks umfassend. Die Aufnahmen sind angeblich Live-Mitschnitte. Überprüfen lässt sich das nicht, da an keiner Stelle Publikum zu hören ist. Sicher ist lediglich, dass die CDs die Stücke so wiedergeben, wie Kraftwerk sie heute auf der Bühne präsentiert. Es ist nicht ganz unwichtig, das zu betonen, weil Hütter und seine Mitstreiter ihr Repertoire über die Jahre hinweg immer wieder variiert, neu arrangiert und umgestellt haben, und die Unterschiede sind zum Teil beträchtlich. So waren z.B. die "Autobahn"-Motorengeräusche auf dem originalen Album von 1974 synthetisch nachgestellt, was ihren eigentlichen spielerischen Charme ausmachte. Auf der "Autobahn"-Version vom Mix-Album (1991) ging dieser Charme verloren, weil man die Motorengeräusche durch gesampelte Originalklänge ersetzt hatte. Das sieht die Band inzwischen anscheinend selbst so, deswegen sind nun wieder die synthetischen Imitationen da, der Beat allerdings ist der von 1991.

Generell fällt auf, dass gegenüber den Aufnahmen aus der Mix-Ära die Rhythmik verändert wurde und sehr viele Samples aus den Originalaufnahmen integriert wurden, und in fast allen Fällen hat sich das gelohnt. Da etliche der Stücke über die Jahre hinweg kräftig eingekürzt und einige der Tracks zu Medleys zusammengefasst wurden, sind einige der CDs erstaunlich kurz geraten. Autobahn beispielsweise besteht, obwohl alle der ursprünglichen fünf Originaltitel verarbeitet wurden, nur noch aus zwei Tracks und dauert 26 Minuten. Trotzdem ergibt es Sinn, dass jedes Album wieder eine eigene CD ist, denn alle Kraftwerk-Alben waren in sich geschlossene Werke und sollten das auch bleiben.

Es lässt sich schwer sagen (weil subjektive Einschätzung), ob die neuen Fassungen "besser" oder "schlechter" als die Originale sind. Klanglich sind sie kristallklar und streckenweise im Bassbereich durchschlagend. Manche Tracks sind mir ein bisschen zu kirmeshaft geraten, andere erinnern an den Alleinunterhalter auf Hochzeitsfeiern, andere sind sehr gelungen. Ich für meinen Teil würde in den Fällen Autobahn, Radio-Aktivität, Trans Europa Express und Computerwelt die Originale bevorzugen, in anderen Fällen hält es sich die Waage; im Fall Tour de France Soundtracks hat die neue Version sogar deutlich gegenüber dem Originalalbum von 2003 gewonnen.

Besonders interessant ist die CD 7, die das Repertoire des Mix-Albums plus die "Planet of Visions"-Single enthält. Diese Scheibe ist nämlich in Headphone-3D abgemischt. Dass Kraftwerk live oftmals mit dem Wellenfeldsynthese-Verfahren arbeitet und dadurch ein Klangerlebnis bietet, dass das Publikum von allen Seiten mit 32 Tonkanälen einschließt, wird mit diesem Verfahren für ganz normale Kopfhörer simuliert. Das erinnert ein bisschen an Kunstkopf-Stereophonie, wie sie etwa Can oder Tangerine Dream schon in den 70er Jahren geboten haben, beruht nun allerdings auf einer elektronischen Simulation des Kunstkopfes. Das funktioniert tatsächlich, klingt im Kopfhörer sehr gut, über Lautsprecher allerdings funktioniert es nicht vernünftig (wie damals schon Kunstkopfaufnahmen).

Die ersten drei Alben sind nicht dabei; Ralf Hütter hat irgendwann mal entschieden, dass er sie nicht zum gültigen Repertoire rechnen möchte. (Wie ich aus gewöhnlich gut informierten Kreisen höre, sind die ersten drei Alben bereits remastert und sollen als 2-CD-Box mit viel grafischem Material veröffentlicht werden, aber keiner weiß, wann. Und ob überhaupt.) Über diese Entscheidung kann man streiten. Ich finde ja, dass Autobahn noch deutlich dichter an Ralf & Florian anknüpft als an, sagen wir: Trans Europa Express, aber Hütter hat das so entschieden. Er hat sich offenkundig in die 12345678-Idee verliebt, und da er uns nichts schuldig ist, kann man das nur akzeptieren oder nicht. Deswegen übrigens glaube ich an kein neues Kraftwerk-Album mehr; eine 9 würde nicht mehr ins Konzept passen. Satt dessen hat sich Hütter für eine Art Never-ending-Tournee entschieden und uns davon jetzt eine Ansichtskarte geschickt -- auch nicht schlecht. Immerhin jedenfalls sind die Konzerte innerhalb von Minuten ausverkauft, und die Besucher sind durchweg begeistert, also macht er offenbar irgendetwas richtig.

Es ist noch darauf hinzuweisen, dass es dieses Paket auch auf Vinyl gibt. Außerdem gibt es das Gesamtpaket als 3D-Blue-Ray mit entsprechendem Sound, und alle, die das Ding in meinem Umfeld bisher gehört bzw. gesehen haben, sind begeistert. Ich kann dazu mangels entsprechender Anlage nichts sagen.


(Sorry, no English translation this time. Dieser Beitrag erschien zuerst bei manafonistas.de)

Monday, May 29, 2017

Grüne 1987



Ein Ausschnitt aus dem Parteiprogramm der Grünen aus dem Jahr 1987. Wer es nicht mehr erinnert: "IuK-Techniken" (sie meinen "Technologien", aber lassen wir das mal beiseite) steht für "Informations- und Kommunikationstechnologien", damals im Vor-Internetzeitalter das Schlagwort für alles, was mit Computern und Digitalisierung zu tun hatte.

Man fragt sich, was die Grünen damals unter "nicht-technologischen Alternativen" verstanden haben. Trommeln? Treppenhaustratsch? Flurfunk? Rauchzeichen?

Ich erinnere dunkel, dass mir bei einem Besuch des Abgeordnetenhochhauses Ende der 1980er Jahre (damals noch in Bonn) an einigen Türen von Grünen-Büros der Aufkleber "In diesem Büro gibt es keine Computer" aufgefallen ist. Sehr beruhigend, schon damals.

Sunday, April 30, 2017

Pittsburgh Symphony Orchestra



Anton Bruckner: Symphony No. 8

Pittsburgh Symphony Orchestra
Manfred Honeck, conductor

Pittsburgh, Heinz Hall, April 30, 2017

Sunday, April 2, 2017

Bryan Ferry



Pittsburgh, Heinz Hall, April 1, 2017

Review by Scott Mervis, Pittsburgh Post-Gazette.

Besprechung von mir hier bei manafonistas.

Wednesday, March 22, 2017

Fundstück / Find



Gerade durch Zufall wiederentdeckt: Lakmés und Mallikas "Blumenduett" (aus der Oper Lakmé von Léo Delibes). Als ich 1993 mit Medienwelten durch Buchhandlungen tourte, habe ich meine Lesung jedesmal mit dieser Computeranimation beendet. Hat immer funktioniert.

Just rediscovered by chance: Lakmé's and Mallika's "Flower Duet" (from opera Lakmé by Léo Delibes). When in 1993 I toured bookstores with Medienwelten (Worlds of Media), I always finished my reading with this computer animation. It always worked.

Tuesday, February 7, 2017

1-A Düsseldorf: Uraan



(Scroll down for English version)

Nach 13 Jahren eine neue Platte von 1-A Düsseldorf, ihre sechste insgesamt. Möglich wurde das durch einen Irrtum. Eine CD, die 2014 versehentlich Thomas Dinger zugeschrieben und deshalb wieder vom Markt genommen wurde, brachte das japanische Label Suezan Studio dazu, statt dessen jetzt Uraan zu veröffentlichen. Und der ehemalige Can-Sänger Damo Suzuki gab nach etlichen Jahren sein Okay zur Veröffentlichung einiger Sessionaufnahmen aus den Jahren 1985 bis 1994 und ist jetzt hier auf zwei Titeln zu hören („Schwermental“ und das etwas lang geratene „Brainshake“). Klar, man erkennt seine Stimme, irgendwelche vokalistischen Sensationen liefert er aber nicht.

1-A Düsseldorf, ursprünglich mal von Thomas Dinger ins Leben gerufen, um unabhängig von seinem sehr dominanten Bruder Klaus eigene Ideen verwirklichen zu können, sind nach seinem Tod im Kern der ehemalige Beuys-Student Nils Kristiansen (Gitarre, Vocals), Thomas‘ Cousin Dirk Flader (Gitarre und Bass; er war auch in Klaus‘ Projekt La!Neu? involviert) und Steffen Domnisch (Drums, Keyboards). Dazu die Gäste Viktoria Wehrmeister (Gesang), der Inder Attila Mihci (Gesang, Gitarre), der Chilene Francisco Cabañas Gac (Gesang), Jule Rössler (Gesang) und der Iraner Schoeleh Djannessari (Gesang).

Neun Titel verzeichnet das Cover, zehn sind es tatsächlich, wobei der hidden track mit dem Titel „The Tyson Finish“ einer der besten des Albums ist — er könnte glatt als Parodie auf die Eurodisco-Welle der 90er durchgehen, ist aber doch um einiges raffinierter zubereitet. Meine anderen Anspieltipps sind das recht kompakte „1941 WLDR“ und der 13-Minuten-Trip „Herr Khan“.

Das Ganze ist ziemlich vielseitig, hat einen Sound, den man sofort mit Düsseldorf assoziiert und ist sehr hörenswert. 1-A Düsseldorf versuchen an keiner Stelle, irgendwelchen Trends zu folgen oder Erwartungshaltungen zu erfüllen, sondern sie machen das, was sie wollen. Das funktioniert nicht in allen Stücken gleichermaßen gut, aber wirkliche Durchhänger gibt es nicht. Die Band kann sich das leisten, da das Album ohnehin auf nur 150 Exemplare limitiert ist und insofern keiner damit Geld verdienen kann. Diese Unabhängigkeit zahlt sich musikalisch aus.


1-A Düsseldorf:
Uraan
Suezan Studio SSZ 3026, Japan
Zu beziehen derzeit nur beim Label direkt.


(Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in manafonistas.de)



A new record by 1-A Düsseldorf after 13 years, it's their sixth. It was a flaw that made it possible. In 2014, accidentally a CD that was ascribed to Thomas Dinger had to be taken off the market, and so the Japanese label Suezan Studio released this one instead. And Damo Suzuki, former singer of Can, after several years gave his blessings to use of some session recordings from the years 1985 to 1994, and so now we can hear him on two tracks ("Schwermental" and "Brainshake", the latter a bit longish). Of course, his voice is clearly recognizable, but without any vocally sensations.

1-A Düsseldorf, originally founded by Thomas Dinger as a place to realize his own ideas independently from his overbearing brother Klaus, are now the former Beuys student Nils Kristiansen (guitar, vocals), Thomas' cousin Dirk Flader (guitar and bass; he was involved also in Klaus' project La!Neu?) and Steffen Domnisch (drums, keyboards). Additionally there are guest musicians Viktoria Wehrmeister (vocals), Attila Mihci from India (vocals, guitar), Francisco Cabañas Gac from Chile (vocals), Jule Rössler (vocals) and Schoeleh Djannessari from Iran (vocals).

The cover lists nine tracks, actually there are ten; the hidden track, entitled "The Tyson Finish" is one of the best of the album -- it could easily be a parody on the Euro Disco wave of the nineties, but it is finished much better. Except this one, my recommendations for a start are the rather compact "1941 WLDR" and the 13-minute trip "Herr Khan".

The whole album is quite multifaceted, has a sound one associates with Düsseldorf immediately and is very worth a listen. 1-A Düsseldorf never try to follow any trends or to fulfill expectations. They do what they want to do. This dosen't work equally well in all tracks, but there are no misses. The band is able to do it this way because the print run of the album is limited to only 150 copies, so nobody can make much money with it anyway. This independency pays off musically. 


1-A Düsseldorf:
Uraan
Suezan Studio SSZ 3026, Japan
Available only directly from the label.

Sunday, January 22, 2017

Sunday, January 15, 2017

Dieter Moebius: Musik für Metropolis



Dies ist eine Unvollendete. Dieter Moebius war eingeladen, eine Musik für Fritz Langs Stummfilm Metropolis zu entwerfen, die live zum Film aufgeführt werden sollte. Leider ist ihm Freund Hein dazwischengekommen. Einige "finishing touches" sind nun von Irene Moebius, Tim Story, Jon Leidecker und Jonas Förster ergänzt worden.

Was man jetzt hört, sind vier jeweils etwa zehnminütige vorbereitete Backing-Tracks mit den Titeln "Schicht", "Moloch", "Tiefenbahnen" und "Mittler" (wer den Film kennt, wird wissen, auf welche Szenen sich die Titel beziehen), zu denen live improvisiert werden sollte. Viele rhythmisierte Störgeräusche klingen collagenartig zusammen, darauf tanzen gefärbtes Rauschen, viel Metallklirren und Glöckchengeklingel, auch ein Sample aus dem Album Cluster II ist zu hören. Die Stücke lassen ahnen, was dem guten Moebius wohl vorgeschwebt haben mag.

Ich bin nicht sicher, ob das Ganze wirklich eine gute Filmmusik für Metropolis abgegeben hätte. Eher scheint mir der Film als Inspirationsquelle für die Stücke gedient zu haben. Der Film zeigt nicht nur utopische Architektur und Technologie, sondern hat eine mindestens ebenso starke romantische Seite. Die orchestrale Originalmusik von Gottfried Huppertz umfasst beide Aspekte, der Moebius-Musik fehlt klar der letztere. Aber das ist kein Fehler. Man höre Musik für Metropolis einfach als Album, dann ist es Moebius "at his best". Er macht hier genau das, was er immer am besten konnte: irritierende Klanglandschaften zu designen, in denen man sich trotzdem nach kurzer Orientierungsphase zu Hause fühlen kann.

Die ersten 100 Besteller bei Bureau B erhalten mit der CD einen numerierten Druck des Coverbildes.



This is an unfinished one. Dieter Moebius had been invited to write a score for Fritz Lang's silent Metropolis which should be performed live with the film. Sadly, the Grim Reaper made this impossible. Some finishing touches were added now by Irene Moebius, Tim Story, Jon Leidecker and Jonas Förster.

What we hear are four pre-recorded backing tracks with a duration of about ten minutes each. The track titles are "Schicht", "Moloch", "Tiefenbahnen" und "Mittler" (if you ever watched the film, you will know which scenes they refer to); they were meant to be a basis to be live improvised on. Several sorts of rhythmic statics melt together in a sort of collage, on this carpet colored noise, lots of metal sounds and bells ringing are dancing, there's also a sample from the album Cluster II. The tracks give an idea what dear old Moebius probably had in mind.

I'm not sure whether this would have been really a good soundtrack for Metropolis. It's more my impression that the film was the inspirational source for this music. The movie features not only utopian architecture and technology, it also has a very strong romantic side. The original orchestral score by Gottfried Huppertz covered both aspects, Moebius' music clearly misses the latter aspect. But this is not a flaw. Just listen to Musik für Metropolis as an album, and you will get Moebius "at his best". On this record he does exactly what always was his strong side: designing irritating soundscapes you can live in after a short time of orientation.

The first 100 orders from Bureau B will include a numbered print of the cover painting.


Dieter Moebius:
Musik für Metropolis (2016)

Bureau B
BB 248


(This review was first published on manafonistas.de)