bilingual/zweisprachig

Tuesday, November 29, 2016

Soundbreaking



Der Untertitel verspricht viel. Wenn man die Liste der mitwirkenden Stars, Sterne und Sternchen sieht, verstärkt sich der Eindruck noch. Und spätestens der Trailer macht neugierig. Soundbreaking besteht aus acht jeweils 55-minütigen Folgen:
  1. The Art of Recording. Hier geht es um die alte Frage: Was macht eigentlich ein Musikproduzent?
  2. Painting with Sound. Die Möglichkeiten früherer und heutiger Tonstudios, bis hin zu dem Punkt, da das Studio selbst zum Instrument wird.
  3. The Human Instrument. Unerschöpflich: Die Gesangsstimme.
  4. Going Electric. Die Entwicklung der Musikelektronik, von der elektrischen Gitarre über Effektgeräte bis zum modernen Synthesizer. Die Folge erweckt den Eindruck, die wahren Pioniere seien Beaver & Krause, The Who, Tonto's Expanding Head Band und Stevie Wonder gewesen. Namen wie Klaus Schulze, Kraftwerk, Tangerine Dream werden nicht mal im Vorbeigehen erwähnt; wenigstens darf Giorgio Moroder kurz ein paar Worte über "Love To Love You Baby" verlieren, auch Hans Zimmer taucht kurz auf. In einer Folge mit solcher Themenstellung Benny Goodman oder Muddy Waters unterzubringen ist ein Kunststück für sich.
  5. Four on the Floor. Hier geht es um den Beat, ganz klar. Sehr viel James Brown, Little Richard, Madonna und Bee Gees. Und nochmal Giorgio Moroder mit Donna Summer, bis die Folge dann  schließlich bei EDM ankommt, vertreten hier durch Moby.
  6. The World is Yours. Das Thema ist Sampling, als Technologie wie als Stil. Hier allerdings wird Sampling in erster Linie als die Geburtsstunde des Hip-Hop gesehen und so gut wie ausschließlich durch diese Brille gesehen. Kraftwerk wird kurz erwähnt ("Trans Europa Express"), aber lediglich als Trigger für Afrika Bambaataas "Planet Rock" dargestellt. (Dass dessen Stück nicht mal gesampelt, sondern eine simple Coverversion ist, fällt den Autoren nicht auf.)
  7. Sound and Vision. Der Start von MTV und die Entwicklung des Musikvideos.
  8. I Am My Music. Hier geht es um alte und neue Hörgewohnheiten und Formen der Musikpräsentation, von der Single bis zum Langformat-Konzeptalbum (dessen Erfindung hier seltsamerweise Frank Sinatra zugeschrieben wird (In The Wee Small Hours von 1955, einer seiner größten Flops und eines der wenigen Sinatra-Alben, die ich mag)).
Soundbreaking ist eine Produktion des (weitgehend spendenfinanzierten) Public Broadcasting System. Das heißt: Die Filme haben das typische "Flavour", das aus irgendwelchen Gründen allen PBS-Dokumentationen eigen ist. Weil man dort immer davon ausgeht, dass das zahlende Publikum ausschließlich an den USA interessiert ist, sind alle Folgen fast vollständig US-zentriert -- in diesem Fall mit ein paar kleinen Abstechern nach England, die vor allem wohl George Martin zu verdanken sind, der Co-Produzent der Serie war.

Die Folgen halten sich konsequent an die derzeitige Dokumentarfilm-Mode, auf jeden erklärenden Off-Kommentar zu verzichten und ausschließlich sehr dynamisch geschnittene (und bebilderte) O-Töne aneinanderzuhängen und mit Musik zu unterlegen. Das kann man so machen, es setzt aber voraus, dass man vorher genauestens überlegt, was der Film rüberbringen soll, um dann entsprechend erklärende Schnipsel als O-Ton zusammenzutragen. Hier jedoch sind die Filmemacher offenbar mit der Idee losgezogen, erst einmal so viele Statements wie möglich einzufangen, um dann auszuwählen, welche verwendet werden können. Die Folgen beginnen in der Regel bei ihrem jeweiligen Thema, fasern aber alsbald in ein nichtendenwollendes und sich vom ursprünglichen Thema immer weiter entfernendes Geschwalle aus. Tatsächlich kompetente Gesprächspartner sind ohnehin eher selten, und selbst deren Beiträge sind meist so gekappt, dass kaum Substanzielles übrigbleibt -- wohl, weil man fürchtet, mehr als zwei zusammenhängende Sätze würden das Tempo rausnehmen oder die Zuschauer intellektuell überfordern. Wirklichen Hintergrund gibt es folglich so gut wie gar nicht. Statt dessen erleben wir in jeder Folge mindestens dreimal das Statement, Künstler X, Y oder Z habe die Welt der Musik "für immer" verändert -- wodurch aber, das bleibt stets das Geheimnis der Filmemacher.

Das alles schließt nicht aus, dass jede Folge ein paar interessante Aussagen und Musikschnipsel hat, die das Zuschauen letztlich doch wert sind. Irgendwelche fundamentalen Neuigkeiten hat mir die Serie aber nicht vermittelt.

Soundbreaking gibt es im US-Netflix, vielleicht ja auch bald in Deutschland. Ansonsten kann man die DVDs vielleicht bald gebraucht kaufen oder sie in der Bibliothek ausleihen. Viel Geld ausgeben jedenfalls würde ich dafür nicht.


(Sorry, no English translation this time.)

Tuesday, November 8, 2016

Maskentänzer im Radio / Mask Dancers on Air


Friday, November 18, 2016, 20:10-21:00 MEZ (2:10-3:00 PM Eastern): 

Maskentänzer -- Das Künstlerpaar Lavinia Schulz und Walter Holdt. 
A radio documentary by Yours truly (in German language).

Deutschlandfunk. Audio stream, podcast and script available HERE.

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Freitag, 18. November 2016, 20:10-21:00 Uhr MEZ (2:10-3:00 PM EST): 

Maskentänzer -- Das Künstlerpaar Lavinia Schulz und Walter Holdt. 
Ein Radiofeature von mir. 

Deutschlandfunk. Audiostream, Podcast und Manuskript HIER.




Sunday, October 30, 2016

Election Sale

Everything is prepared.




May the election begin.

Wednesday, October 19, 2016

Bob Dylan und der Nobelpreis

(Dies ist ein Beitrag, den ich in einem Thread in einem CCR-Forum gepostet habe. Ich kopiere ihn einfach mal hier hinein. Sorry, German only.)


***  hat geschrieben:Wer vertieftes Interesse hat, der lese diesen Artikel aus der FAZ: Falscher Preis für den Richtigen.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/literaturnobelpreis-2016-fuer-bob-dylan-ist-falsche-entscheidung-14482992.html

Ich schließe mich dem Autor in weiten Teilen an.

Worum geht hier eigentlich dieses schlechtgelaunte Gemaule? Geht es darum, dass das Nobelpreiskomitee dieses Jahr mal frische Luft reingelassen hat und den Literaturnobelpreis nicht, wie sonst üblich, einem Autor zugesprochen hat, den man erst mal googeln muss? Oder darum, dass er nicht John Fogerty zugesprochen wurde? Oder darum, dass überhaupt Preise verliehen werden?

Für jemanden wie Tobias Rüther, der immerhin mal ein sehr ordentliches Buch über Bowies Zeit in Berlin geschrieben hat, ist das ein erstaunlich kleingeistiger Kommentar. Der müsste es eigentlich besser wissen.

Nein, man muss Dylan nicht mögen. Ich höre ihn mir nur selten an, und ich würde auch keinem widersprechen, der sagt, dass Dylan nicht der beste Interpret seiner Songs ist. Trotzdem kann man doch wohl mal anerkennen, dass sehr viele seiner Texte allen literarischen Kriterien mühelos standhalten, dass er hervorragende Songs geschrieben hat (oder glaubt einer, musikalische Hochkaräter wie The Band oder ein Produzent wie Daniel Lanois würden sich sonst mit ihm abgeben?). Es geht hier auch nicht mal eben um ein paar Songtexte, sondern um ein Werk, das - ich glaube - mittlerweile 37 Alben und etliche Bücher umfasst, das ständig live präsentiert und laufend variiert und neu erfunden wird. Kurz, dass Dylan eine Ausnahmeerscheinung ist, der mit seinem Werk seit 1962 Maßstäbe setzt und mindestens zwei Generationen von Musikern, Hörern und Autoren maßgeblich beeinflusst hat.

Wie dann der FAZ-Kritiker Rüther in seinem Kommentar darauf verfällt, Dylan als simplen Popmusiker sehen zu wollen und ihn allen Ernstes auf eine Ebene mit Beyonce oder Teenagerschlagern wie "Da-Doo-Ron-Ron" stellt, das verschlägt mir den Atem.

Das ist wirklich das ganze Elend der deutschen Kritik, die einfach aus ihrem elitären Schubladendenken nicht rauskommt. Auch in den USA sind keineswegs alle von der Entscheidung für Dylan begeistert, aber so rückwärtsgewandt argumentiert hier kaum jemand. Die Literatur ist längst weiter und hat längst auch über das klassische Buch hinaus andere Medien und Verbreitungswege entdeckt, und daran hat nicht zuletzt auch Bob Dylan seinen Anteil.


Wäre noch die Frage, warum sich Dylan nicht zu dem Preis äußert. Ich weiß es natürlich auch nicht, aber ich habe ja vor ein paar tagen geschrieben, dass ich glaube, das Nobelpreiskomitee wollte mit der Verleihung an Dylan auch einen Kommentar zur gegenwärtigen Lage abgeben. Ich könnte mir vorstellen, dass Dylan selbst das auch so sieht, und da er sich noch nie gerne vor irgendwessen Karren hat spannen lassen, schweigt er halt. Wenn irgendjemand sich das erlauben kann, dann er.

Monday, October 3, 2016

Monday, August 22, 2016

Today in Berlin



This plate is attached now to the house at Schöneberger Hauptstraße 155 where he used to live.

Tuesday, July 26, 2016

Schilleroper










Not a water tank, not a gasometer. This is the SCHILLEROPER in Hamburg-Altona — a construction made from steel and corrugated metal, erected in 1892 as a residential circus building, the only circus with a ring that could be flooded for a water ballet.

In the 1920s, it became an opera house, a theater and varieté, Hans Albers had his first stage appearences here. During the Nazi era the building was used as a meeting place by the local SS as well as by communists, which led to brawls and shootings sometimes, and then, after the war … nothing really happened anymore.

Nobody had an idea what to do with this complex of buildings. In the 1970s, the buildings around the rotunda, the former foyer and artist’s dressing rooms were used as dwelling for Italian "guest workers", as they were called then, later it became a restaurant which had to be closed after a while because of illegal gambling. It became a music club, and when that failed …

This is how the building looks today. It cannot be torn down because the steel construction is under protection, but the whole complex is so down and out … I’m sure today’s owners (a community of heirs) is simply waiting till the whole building breaks down by itself.

This has always been the way the city of Hamburg uses to deal with its cultural treasures. We call this "Pfeffersackmentalität".