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Wednesday, March 22, 2017

Fundstück / Find



Gerade durch Zufall wiederentdeckt: Lakmés und Mallikas "Blumenduett" (aus der Oper Lakmé von Léo Delibes). Als ich 1993 mit Medienwelten durch Buchhandlungen tourte, habe ich meine Lesung jedesmal mit dieser Computeranimation beendet. Hat immer funktioniert.

Just rediscovered by chance: Lakmé's and Mallika's "Flower Duet" (from opera Lakmé by Léo Delibes). When in 1993 I toured bookstores with Medienwelten (Worlds of Media), I always finished my reading with this computer animation. It always worked.

Tuesday, February 7, 2017

1-A Düsseldorf: Uraan



(Scroll down for English version)

Nach 13 Jahren eine neue Platte von 1-A Düsseldorf, ihre sechste insgesamt. Möglich wurde das durch einen Irrtum. Eine CD, die 2014 versehentlich Thomas Dinger zugeschrieben und deshalb wieder vom Markt genommen wurde, brachte das japanische Label Suezan Studio dazu, statt dessen jetzt Uraan zu veröffentlichen. Und der ehemalige Can-Sänger Damo Suzuki gab nach etlichen Jahren sein Okay zur Veröffentlichung einiger Sessionaufnahmen aus den Jahren 1985 bis 1994 und ist jetzt hier auf zwei Titeln zu hören („Schwermental“ und das etwas lang geratene „Brainshake“). Klar, man erkennt seine Stimme, irgendwelche vokalistischen Sensationen liefert er aber nicht.

1-A Düsseldorf, ursprünglich mal von Thomas Dinger ins Leben gerufen, um unabhängig von seinem sehr dominanten Bruder Klaus eigene Ideen verwirklichen zu können, sind nach seinem Tod im Kern der ehemalige Beuys-Student Nils Kristiansen (Gitarre, Vocals), Thomas‘ Cousin Dirk Flader (Gitarre und Bass; er war auch in Klaus‘ Projekt La!Neu? involviert) und Steffen Domnisch (Drums, Keyboards). Dazu die Gäste Viktoria Wehrmeister (Gesang), der Inder Attila Mihci (Gesang, Gitarre), der Chilene Francisco Cabañas Gac (Gesang), Jule Rössler (Gesang) und der Iraner Schoeleh Djannessari (Gesang).

Neun Titel verzeichnet das Cover, zehn sind es tatsächlich, wobei der hidden track mit dem Titel „The Tyson Finish“ einer der besten des Albums ist — er könnte glatt als Parodie auf die Eurodisco-Welle der 90er durchgehen, ist aber doch um einiges raffinierter zubereitet. Meine anderen Anspieltipps sind das recht kompakte „1941 WLDR“ und der 13-Minuten-Trip „Herr Khan“.

Das Ganze ist ziemlich vielseitig, hat einen Sound, den man sofort mit Düsseldorf assoziiert und ist sehr hörenswert. 1-A Düsseldorf versuchen an keiner Stelle, irgendwelchen Trends zu folgen oder Erwartungshaltungen zu erfüllen, sondern sie machen das, was sie wollen. Das funktioniert nicht in allen Stücken gleichermaßen gut, aber wirkliche Durchhänger gibt es nicht. Die Band kann sich das leisten, da das Album ohnehin auf nur 150 Exemplare limitiert ist und insofern keiner damit Geld verdienen kann. Diese Unabhängigkeit zahlt sich musikalisch aus.


1-A Düsseldorf:
Uraan
Suezan Studio SSZ 3026, Japan
Zu beziehen derzeit nur beim Label direkt.


(Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in manafonistas.de)



A new record by 1-A Düsseldorf after 13 years, it's their sixth. It was a flaw that made it possible. In 2014, accidentally a CD that was ascribed to Thomas Dinger had to be taken off the market, and so the Japanese label Suezan Studio released this one instead. And Damo Suzuki, former singer of Can, after several years gave his blessings to use of some session recordings from the years 1985 to 1994, and so now we can hear him on two tracks ("Schwermental" and "Brainshake", the latter a bit longish). Of course, his voice is clearly recognizable, but without any vocally sensations.

1-A Düsseldorf, originally founded by Thomas Dinger as a place to realize his own ideas independently from his overbearing brother Klaus, are now the former Beuys student Nils Kristiansen (guitar, vocals), Thomas' cousin Dirk Flader (guitar and bass; he was involved also in Klaus' project La!Neu?) and Steffen Domnisch (drums, keyboards). Additionally there are guest musicians Viktoria Wehrmeister (vocals), Attila Mihci from India (vocals, guitar), Francisco Cabañas Gac from Chile (vocals), Jule Rössler (vocals) and Schoeleh Djannessari from Iran (vocals).

The cover lists nine tracks, actually there are ten; the hidden track, entitled "The Tyson Finish" is one of the best of the album -- it could easily be a parody on the Euro Disco wave of the nineties, but it is finished much better. Except this one, my recommendations for a start are the rather compact "1941 WLDR" and the 13-minute trip "Herr Khan".

The whole album is quite multifaceted, has a sound one associates with Düsseldorf immediately and is very worth a listen. 1-A Düsseldorf never try to follow any trends or to fulfill expectations. They do what they want to do. This dosen't work equally well in all tracks, but there are no misses. The band is able to do it this way because the print run of the album is limited to only 150 copies, so nobody can make much money with it anyway. This independency pays off musically. 


1-A Düsseldorf:
Uraan
Suezan Studio SSZ 3026, Japan
Available only directly from the label.

Sunday, January 22, 2017

Sunday, January 15, 2017

Dieter Moebius: Musik für Metropolis



Dies ist eine Unvollendete. Dieter Moebius war eingeladen, eine Musik für Fritz Langs Stummfilm Metropolis zu entwerfen, die live zum Film aufgeführt werden sollte. Leider ist ihm Freund Hein dazwischengekommen. Einige "finishing touches" sind nun von Irene Moebius, Tim Story, Jon Leidecker und Jonas Förster ergänzt worden.

Was man jetzt hört, sind vier jeweils etwa zehnminütige vorbereitete Backing-Tracks mit den Titeln "Schicht", "Moloch", "Tiefenbahnen" und "Mittler" (wer den Film kennt, wird wissen, auf welche Szenen sich die Titel beziehen), zu denen live improvisiert werden sollte. Viele rhythmisierte Störgeräusche klingen collagenartig zusammen, darauf tanzen gefärbtes Rauschen, viel Metallklirren und Glöckchengeklingel, auch ein Sample aus dem Album Cluster II ist zu hören. Die Stücke lassen ahnen, was dem guten Moebius wohl vorgeschwebt haben mag.

Ich bin nicht sicher, ob das Ganze wirklich eine gute Filmmusik für Metropolis abgegeben hätte. Eher scheint mir der Film als Inspirationsquelle für die Stücke gedient zu haben. Der Film zeigt nicht nur utopische Architektur und Technologie, sondern hat eine mindestens ebenso starke romantische Seite. Die orchestrale Originalmusik von Gottfried Huppertz umfasst beide Aspekte, der Moebius-Musik fehlt klar der letztere. Aber das ist kein Fehler. Man höre Musik für Metropolis einfach als Album, dann ist es Moebius "at his best". Er macht hier genau das, was er immer am besten konnte: irritierende Klanglandschaften zu designen, in denen man sich trotzdem nach kurzer Orientierungsphase zu Hause fühlen kann.

Die ersten 100 Besteller bei Bureau B erhalten mit der CD einen numerierten Druck des Coverbildes.



This is an unfinished one. Dieter Moebius had been invited to write a score for Fritz Lang's silent Metropolis which should be performed live with the film. Sadly, the Grim Reaper made this impossible. Some finishing touches were added now by Irene Moebius, Tim Story, Jon Leidecker and Jonas Förster.

What we hear are four pre-recorded backing tracks with a duration of about ten minutes each. The track titles are "Schicht", "Moloch", "Tiefenbahnen" und "Mittler" (if you ever watched the film, you will know which scenes they refer to); they were meant to be a basis to be live improvised on. Several sorts of rhythmic statics melt together in a sort of collage, on this carpet colored noise, lots of metal sounds and bells ringing are dancing, there's also a sample from the album Cluster II. The tracks give an idea what dear old Moebius probably had in mind.

I'm not sure whether this would have been really a good soundtrack for Metropolis. It's more my impression that the film was the inspirational source for this music. The movie features not only utopian architecture and technology, it also has a very strong romantic side. The original orchestral score by Gottfried Huppertz covered both aspects, Moebius' music clearly misses the latter aspect. But this is not a flaw. Just listen to Musik für Metropolis as an album, and you will get Moebius "at his best". On this record he does exactly what always was his strong side: designing irritating soundscapes you can live in after a short time of orientation.

The first 100 orders from Bureau B will include a numbered print of the cover painting.


Dieter Moebius:
Musik für Metropolis (2016)

Bureau B
BB 248


(This review was first published on manafonistas.de)

Tuesday, December 27, 2016

Medienphrasen 2016

Alle Jahre wieder: Die abgedroschensten Dauerphrasen und schiefsten Bilder in den Medien.

  • biodeutsch
  • Bestsellerautor
  • Alpha-Journalist
  • der ein oder andere
  • Wahldebakel
  • Kostenexplosion
  • unschuldige Frauen und Kinder
  • abstrafen
  • befüllen
  • Angriff auf die Lachmuskeln
  • unter den Teppich kehren
  • Der Wettergott zeigte sich gnädig
  • Fachexperten
  • konkrete Einzelfälle
  • am Ende des Tages
  • Hausaufgaben (nicht) gemacht haben
  • Urnengang
  • Wahlschlappe
  • sektorielle Bereiche
  • Da bin ich ganz bei Ihnen
  • zeitnah
  • nachbessern
  • kein Einzelfall
  • steht unter Beschuss
  • mit Hochdruck
  • Nerven liegen blank
  • die Eliten
  • die Kuh vom Eis holen
  • erdrutschartiger Sieg
  • knallharte Dokumentation
  • freilich
  • selbsternannt
  • Thank you for being a valued customer of ...
  • unsäglich
  • ein Stück weit
  • Wahl zwischen Pest und Cholera
  • Rock-Röhre
  • Star-Architekt
  • Blutbad
  • was das anbetrifft
  • lichtdurchflutet
  • wertig
  • ungekrönter König
  • fröhliche Urständ feiern
  • die Märkte
  • Weltraumbahnhof
  • der Fisch stinkt vom Kopf
  • Blaupause
  • einpreisen
  • Nebelkerze
  • wenn Sie mögen


Die nächsten Medienphrasen lesen Sie Ende 2017 wieder hier. Das können Sie schon mal einpreisen -- wenn Sie mögen.

Tuesday, November 29, 2016

Soundbreaking



Der Untertitel verspricht viel. Wenn man die Liste der mitwirkenden Stars, Sterne und Sternchen sieht, verstärkt sich der Eindruck noch. Und spätestens der Trailer macht neugierig. Soundbreaking besteht aus acht jeweils 55-minütigen Folgen:
  1. The Art of Recording. Hier geht es um die alte Frage: Was macht eigentlich ein Musikproduzent?
  2. Painting with Sound. Die Möglichkeiten früherer und heutiger Tonstudios, bis hin zu dem Punkt, da das Studio selbst zum Instrument wird.
  3. The Human Instrument. Unerschöpflich: Die Gesangsstimme.
  4. Going Electric. Die Entwicklung der Musikelektronik, von der elektrischen Gitarre über Effektgeräte bis zum modernen Synthesizer. Die Folge erweckt den Eindruck, die wahren Pioniere seien Beaver & Krause, The Who, Tonto's Expanding Head Band und Stevie Wonder gewesen. Namen wie Klaus Schulze, Kraftwerk, Tangerine Dream werden nicht mal im Vorbeigehen erwähnt; wenigstens darf Giorgio Moroder kurz ein paar Worte über "Love To Love You Baby" verlieren, auch Hans Zimmer taucht kurz auf. In einer Folge mit solcher Themenstellung Benny Goodman oder Muddy Waters unterzubringen ist ein Kunststück für sich.
  5. Four on the Floor. Hier geht es um den Beat, ganz klar. Sehr viel James Brown, Little Richard, Madonna und Bee Gees. Und nochmal Giorgio Moroder mit Donna Summer, bis die Folge dann  schließlich bei EDM ankommt, vertreten hier durch Moby.
  6. The World is Yours. Das Thema ist Sampling, als Technologie wie als Stil. Hier allerdings wird Sampling in erster Linie als die Geburtsstunde des Hip-Hop gesehen und so gut wie ausschließlich durch diese Brille gesehen. Kraftwerk wird kurz erwähnt ("Trans Europa Express"), aber lediglich als Trigger für Afrika Bambaataas "Planet Rock" dargestellt. (Dass dessen Stück nicht mal gesampelt, sondern eine simple Coverversion ist, fällt den Autoren nicht auf.)
  7. Sound and Vision. Der Start von MTV und die Entwicklung des Musikvideos.
  8. I Am My Music. Hier geht es um alte und neue Hörgewohnheiten und Formen der Musikpräsentation, von der Single bis zum Langformat-Konzeptalbum (dessen Erfindung hier seltsamerweise Frank Sinatra zugeschrieben wird (In The Wee Small Hours von 1955, einer seiner größten Flops und eines der wenigen Sinatra-Alben, die ich mag)).
Soundbreaking ist eine Produktion des (weitgehend spendenfinanzierten) Public Broadcasting System. Das heißt: Die Filme haben das typische "Flavour", das aus irgendwelchen Gründen allen PBS-Dokumentationen eigen ist. Weil man dort immer davon ausgeht, dass das zahlende Publikum ausschließlich an den USA interessiert ist, sind alle Folgen fast vollständig US-zentriert -- in diesem Fall mit ein paar kleinen Abstechern nach England, die vor allem wohl George Martin zu verdanken sind, der Co-Produzent der Serie war.

Die Folgen halten sich konsequent an die derzeitige Dokumentarfilm-Mode, auf jeden erklärenden Off-Kommentar zu verzichten und ausschließlich sehr dynamisch geschnittene (und bebilderte) O-Töne aneinanderzuhängen und mit Musik zu unterlegen. Das kann man so machen, es setzt aber voraus, dass man vorher genauestens überlegt, was der Film rüberbringen soll, um dann entsprechend erklärende Schnipsel als O-Ton zusammenzutragen. Hier jedoch sind die Filmemacher offenbar mit der Idee losgezogen, erst einmal so viele Statements wie möglich einzufangen, um dann auszuwählen, welche verwendet werden können. Die Folgen beginnen in der Regel bei ihrem jeweiligen Thema, fasern aber alsbald in ein nichtendenwollendes und sich vom ursprünglichen Thema immer weiter entfernendes Geschwalle aus. Tatsächlich kompetente Gesprächspartner sind ohnehin eher selten, und selbst deren Beiträge sind meist so gekappt, dass kaum Substanzielles übrigbleibt -- wohl, weil man fürchtet, mehr als zwei zusammenhängende Sätze würden das Tempo rausnehmen oder die Zuschauer intellektuell überfordern. Wirklichen Hintergrund gibt es folglich so gut wie gar nicht. Statt dessen erleben wir in jeder Folge mindestens dreimal das Statement, Künstler X, Y oder Z habe die Welt der Musik "für immer" verändert -- wodurch aber, das bleibt stets das Geheimnis der Filmemacher.

Das alles schließt nicht aus, dass jede Folge ein paar interessante Aussagen und Musikschnipsel hat, die das Zuschauen letztlich doch wert sind. Irgendwelche fundamentalen Neuigkeiten hat mir die Serie aber nicht vermittelt.

Soundbreaking gibt es im US-Netflix, vielleicht ja auch bald in Deutschland. Ansonsten kann man die DVDs vielleicht bald gebraucht kaufen oder sie in der Bibliothek ausleihen. Viel Geld ausgeben jedenfalls würde ich dafür nicht.


(Sorry, no English translation this time.)

Tuesday, November 8, 2016

Maskentänzer im Radio / Mask Dancers on Air


Friday, November 18, 2016, 20:10-21:00 MEZ (2:10-3:00 PM Eastern): 

Maskentänzer -- Das Künstlerpaar Lavinia Schulz und Walter Holdt. 
A radio documentary by Yours truly (in German language).

Deutschlandfunk. Audio stream, podcast and script available HERE.

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Freitag, 18. November 2016, 20:10-21:00 Uhr MEZ (2:10-3:00 PM EST): 

Maskentänzer -- Das Künstlerpaar Lavinia Schulz und Walter Holdt. 
Ein Radiofeature von mir. 

Deutschlandfunk. Audiostream, Podcast und Manuskript HIER.